Die Lage der Milchbauern zum Jahreswechsel

Die Uneinigkeit der Schweizer Milchbauern hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Im Thurgau fordern 60 Bauern ihre über Jahre unfreiwillig entrichteten Verbandsabgaben zurück. Der Thurgauer Milchproduzentenverband soll 2 Millionen zurückzahlen. Dieses Beispiel steht stellvertretend für die Situation bei den Milchproduzenten. Landauf landab schimpfen die Milchbauern über ihre Verbandsvertretungen. Und die, die nicht schimpfen bleiben Milchverbandsversammlungen fern. Dies ist die logische Konsequenz ihrer Ohnmacht im Milchmarkt.

Die Milchverbände haben immer noch nicht realisiert, dass seit 2009 ein neues Zeitalter angebrochen ist. Früher war es ja so, dass im Haus der Dachorganisation SMP an der Weststrasse in Bern regelmässig Besprechungen mit Vertretern der gesamten Wertschöpfungskette Milch stattfanden. Dabei wurden anstehende Probleme im Milchmarkt diskutiert (Grenzschutz, Überschüsse etc.). Man erarbeitete gemeinsam Lösungen, wie diese Probleme gelöst werden können. Dann ging man mit der gefundenen Lösung zur Politik und stellte die gefundene Lösung vor. In der Regel wurde diese dann auch umgesetzt. Die Politik war ja von 1976 bis 2009 für die Milchkontingente und damit die Milchmenge verantwortlich. Das ist heute Geschichte. Die Politik hat sich aus der Verantwortung zurückgezogen. Das bedeutet, dass heute ganz andere Lösungen innerhalb der Branche gefunden und umgesetzt werden müssen. Und es bedeutet aber auch, dass sich unsere Dachorganisation SMP – wie eine Gewerkschaft für die Arbeiter – für die Interessen der Milchviehbetriebe und nicht mehr für die Interessen der gesamten Milchbranche einsetzen muss. Dass diese „Umstellung“ bis heute noch nicht passiert ist zeigt exemplarisch die Nachfolgelösung des Schoggigesetzes. BIG-M bezweifelt sehr, dass es sich bei dieser „Lösung“ für die Milchbauern wirklich um ein „Nullsummenspiel“ handelt, wie der SMP uns weismachen will. Die Speisung des „Fonds Rohstoffverbilligung“ ist zwar geregelt, aber es stehen noch weitere Forderungen der Nahrungsmittelindustrie im Raum, welche noch nicht vom Tisch sind. Kommt dazu, dass die Industrie mit dem vereinfachten Veredelungsverkehr ein neues Druckmittel in die Händen bekommen hat, welchem die Milchproduzenten nichts entgegenzusetzen haben. Und die Butterhersteller wollen natürlich den Topf für den Butterexport auch leeren, da muss man sich keine Illusionen machen. Die nächsten Monate werden zeigen, wie diese Auseinandersetzung ausgeht.

Der SMP sollte sich endlich klar werden, was denn die Interessen der Schweizer Milchbauern sind. Die Milchviehbetriebe brauchen Rahmenbedingungen und einen Milchpreis, welcher ihnen eine Perspektive bietet, um wieder in die Milchproduktion zu investieren. Hauptsache viel Milch produzieren egal zu welchem Preis ist vorbei. 10 Jahre am Markt vorbei zu produzieren sind genug! Solange die Milchbauern aber Lieferbedingungen akzeptieren müssen, welche sie zwingen, überschüssige Milch zu einem tieferen Preis abzuliefern, werden sie im Milchmarkt nie marktkonform produzieren können. In der Gesellschaft besteht für diese Überschussproduktion keine Akzeptanz.

Das wird sich erst ändern, wenn wir Milchbauern sagen können: „Ich verzichte auf die Milchmenge, welche überschüssig ist und für die mir nicht einmal 40 Rappen bezahlt werden.“ So kann auch die Preisdrückerei nicht ins endlose getrieben werden. Wir alle wissen, dass wir diese Möglichkeit zu verzichten bis heute nicht haben. In der Branche wird einfach weggeschaut, wie überschüssige Milch als B Milch abgerechnet wird und dann im Ausland verramscht wird, denn auch an diesem „Geschäft“ verdienen die Milchhändler und die Verarbeiter noch. Und solange die SMP eine vernünftige Mengensteuerung politisch torpediert wird sich daran wenig ändern. BIG-M hat sich deshalb für 2019 zum Ziel gesetzt, dass uns Milchbauern endlich die Möglichkeit geben wird, auf überschüssige Milchmengen zu verzichten. Das ist ein Gebot der Vernunft!

Für das Neue Jahr wünschen wir allen unseren Mitstreitern viel Kraft, Gesundheit und viel Erfolg in Haus und Hof

Mit kämpferischen Grüssen 
BIG-M

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